Pakt für Klimaschutz
03. Mai 2011 –Die unterzeichnenden Verbände erklären mit diesem Pakt gemeinsam:
Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Mit ihrem Energiekonzept hat die Bundesregierung am 28. September 2010 sehr ehrgeizige Zielsetzungen in Bezug auf energetische Gebäudesanierung und energieeffizientes Bauen vorgelegt, ohne allerdings aufzuzeigen, mit welchen Maßnahmen diese Ziele erreicht werden sollen. Mit den Eckwerten für den Bundeshaushalt 2012 hat das Bundeskabinett am 16.03.2011 nunmehr beschlossen, keinerlei Mittel für das CO2-Gebäudesanierungsprogramm in den Haushalt 2012 einzustellen. Die im Energiekonzept der Bundesregierung angedachte Finanzierung des CO2-Gebäudesanierungsprogramms mit Mitteln aus dem Energie- und Klimafonds ist nach dem Beben in Japan und dem Atom-Moratorium allerdings nachhaltig in Frage gestellt. Der Wegfall der Förderung für energieeffizientes Bauen und Sanieren ab 2012 konterkariert die bisherige Klimaschutzpolitik in höchstem Maße und macht sie unglaubwürdig.
Die durch den Bundeshaushalt finanzierten KfW-Mittel für das energieeffiziente Bauen und Sanieren haben 2009 ca. 300.000 und 2010 fast 350.000 Arbeitsplätze gesichert und Investitionen von jeweils ca. 20 Milliarden Euro angestoßen, sowie insgesamt zu einer Einsparung von rund 2,5 Millionen Tonnen CO2 geführt. Die KfW-Förderung ist unverzichtbar, um die energetische Modernisierung des sanierungsbedürftigsten Wohngebäudebestandes, in dem die meisten einkommensschwachen Mieter wohnen, sozialverträglich zu machen sowie die energetische Ertüchtigung der kommunalen Gebäude und Einrichtungen voranzutreiben. Auch bei den Wohneigentümern, die rund 14,9 Mio. Eigenheime oder Zweifamilienhäuser selbst nutzen, wird sich die Einstellung des CO2-Gebäudesanierungsprogramms als massive Investitionsbremse auswirken.
Um das im Energiekonzept der Bundesregierung festgelegte Ziel einer Verdoppelung der Sanierungsquote auf 2 % zu erfüllen und damit jährlich mindestens 360.000 Gebäude zu sanieren, wäre mittelfristig ein Fördervolumen von 5 Mrd. EUR jährlich notwendig. Diese Förderung löst das Achtfache an Investitionen aus, was zudem eine Entlastung des Staatshaushaltes bedeutet (Einnahmen aus Mehrwertsteuer, Lohnsteuer, Sozialbeiträgen und vermiedene Kosten der Arbeitslosigkeit).
Der Wegfall der KfW-Mittel widerspricht dem Energiekonzept der Bundesregierung, senkt die Sanierungsrate, gefährdet die Ziele der deutschen Klimaschutzpolitik und beeinflusst die kommunalen Klimaschutzaktivitäten und die volkswirtschaftliche Entwicklung negativ. Wenn Investitionen unterbleiben, werden auch Arbeitsplätze wegfallen. Wohnungsneubau und energetische Gebäudesanierung sind arbeitsintensiv, hier ist fast ausschließlich das lokale Bau- und Ausbauhandwerk tätig.
Vor dem Hintergrund einer unsicheren Finanzierung durch den Energie- und Klimafonds unterstützen wir alle Bemühungen, auf eine alternative Finanzierung zu dringen. Wir fordern die Bundesregierung daher nachdrücklich auf, ein klares politisches Bekenntnis zur weiteren Förderung des energieeffizienten Bauens und Sanierens und zur Verstetigung der Mittelausstattung mindestens in Höhe von 2 Mrd. EUR jährlich abzugeben und dafür im Haushalt 2012 und in den Folgejahren entsprechende Finanzmittel einzustellen. Verbraucher, Hersteller, Gebäudeeigentümer, Planer, Kommunen und Ausführende benötigen verlässliche Rahmenbedingungen, um den Gebäudebestand und die Kommunen zukunftsfähig gestalten zu können.
Gastbeitrag von Dr. Johannes F. Lambertz "Kraftwerke im Investitionsstau - wohin steuert die deutsche Energiepolitik
12. Nov. 2010 –1. Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien werden Kraftwerke mit hohen variablen Kosten, vor allem Gas- und Steinkohlekraftwerke, aus dem Markt gedrängt. In Zeiten, in denen z.B. viel Windenergie eingespeist wird oder eine hohe Solarproduktion herrscht, erwirtschaften diese Kraftwerke keinen Deckungsbeitrag. Bei Flaute und Bewölkung fehlt aber die Einspeisung der Erneuerbaren und muss durch andere Technologien ausgeglichen werden. Dazu stehen Speicher, vor allem Pumpspeicherkraftwerke, zur Verfügung. Allerdings müsste in Deutschland ein See von der Größe des Bodensees 800 Meter nach oben verlegt und zum Pumpspeicher gemacht werden, um die zukünftige Volatilität der Erneuerbaren ausgleichen zu können. Die benötige Speicherkapazität, bei einem Ausbau der Erneuerbaren wie von der Bundesregierung geplant, entspräche dem 70-fachen dessen, was zurzeit in Deutschland installiert ist. Kurzfristig müssen deshalb die aus dem Markt gedrängten Kraftwerke als Kapazitätsreserve erhalten bleiben, um mit ihnen die Versorgungssicherheit auch bei Ausfall der Erneuerbaren zu gewährleisten. Allerdings stellt sich hier die Frage, ob dann das Marktmodell mit einem reinen Arbeitspreis zur Kostendeckung noch ausreicht. 2. Stark gestiegene Anlagenpreise bremsen hierzulande die Investitionsbereitschaft. Da vor allem in den Schwellenländern ungeachtet der Finanzkrise weiter erheblich in neue Anlagen investiert wird, liegen die Preise für neue Kohle- und GuD-Kraftwerke weiterhin deutlich über dem langfristigen Trend. Für ein investitionsfreundlicheres Klima müsste sich die Preiskurve stabilisieren und auf den alten Trendpfad zurückkehren. 3. Die Qualität der alten Anlagen ist deutlich besser, ihr Verschleiß geringer als erwartet. Damit können die Betreiber mit Nachrüstungen und Austausch von Verschleißteilen die technische Lebensdauer der bestehenden Anlagen verlängern und Ersatzinvestitionen vorerst verschieben. 4. Die politischen Vorgaben für den Erzeugungsmarkt schränken die Marktkräfte, die Anreize für Neuinvestitionen setzen könnten, erheblich ein. Mit der Vorrangregelung für Strom aus erneuerbaren Energien und aus Kraft-Wärme-Kopplung wird der liberalisierte Markt zunehmend kleiner. Gelingt die Umsetzung des Energiekonzepts wie vorgesehen, geht mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien auf einen Anteil von 80 Prozent an der Stromversorgung in 2050, so ewi/prognos/gws in den Energieszenarien, der Anteil der fossilen Energieträger drastisch zurück. Ohne das gesetzliche Regelwerk für Carbon Capture and Storage (CCS), die Abscheidung und Speicherung von CO2, fällt den Investoren zudem die Einschätzung schwer, ob diese Technologie zukünftig nutzbar ist, um die CO2-Emissionen der Anlagen zu reduzieren. Schließlich liegen dank der ab 2013 im europäischen Emissionshandelssystem vorgesehenen Vollversteigerung der Emissionszertifikate die Vollkosten neuer Anlagen weiter über dem Forward-Preisniveau für Strom. Fazit: Die Neubauindikatoren stehen derzeit auf „hold". Statt neu zu bauen, werden bestehende Kraftwerke optimiert und für einige Jahre längerer Laufzeit fit gemacht. Deshalb und dank der Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke geht kurzfristig auch das Risiko für die Versorgungssicherheit zurück. So wird die von der Dena für 2020 prognostizierte Kapazitätslücke von über 14.000 Megawatt vorübergehend deutlich verringert. Nach 2020 stellt sich das Problem aber erneut. Das Energiekonzept und seinen Zielvorgaben verbessern die Perspektiven für Kraftwerksinvestoren nicht grundsätzlich. Geht der Stromverbrauch, wie darin angestrebt, bis 2050 um 20 Prozent zurück und decken zudem Stromimporte bis zu einem Drittel der heimischen Nachfrage, gehen davon keine Anreize zum Bau neuer konventioneller Kraftwerke aus. Zwar hält der Ausbau erneuerbarer Energien an, dank Einspeisevorrang und -vergütungen. Doch die erneuerbaren Energien brauchen verstärkt flexible Kraftwerke als Partner, zusätzliche Speichermöglichkeiten zur Bereitstellung von Kapazitätsreserve, einen starken Netzausbau und ergänzend Maßnahmen zum Lastmanagement. Ohne entsprechende Anreize drohen notwendige Investitionen auszubleiben. Sollen die Ziele des Energiekonzepts erreicht werden, besteht hier dringender Handlungsbedarf.
Luftdichtheit im Innenausbau - Grundvoraussetzung für Energieeinsparung...
05. März 2010 –"Ein luftdicht gebautes und damit Energie sparendes Haus ist nicht etwa ein Haus mit Sonderausstattung, sondern es entspricht lediglich der geltenden
Energieeinsparverordnung.", mit diesem Statement eröffnete Dipl.Ing. Felizitas Skala, Vorsitzende der Fachunternehmervereinigung BFA Akustik-und Trockenbau im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, den diesjährigen BFA-Fachkongress zum Thema "Luftdichtheit im Innenausbau", am 17.02.2010 auf der Bautec in Berlin.
Die Forderung nach luftdichter Ausführung verlangt nicht nur besonderes Know-how, sie ist auch nach VOB eine „besondere“ Leistung, die Fachkenntnis und Sorgfalt von der Ausschreibung bis zur Ausführung verlangt, erhebliche Haftungsririken bergen kann und deshalb insbesondere Herstelleranforderungen an die Dauerhaftigkeit der eingesetzten Bauprodukte stellt. Als Beratungs- und Ausführungspartner im Innenausbau sollten deshalb unbedingt Fachunternehmen angesprochen werden.
Über 200 Sachverständige, Fachplaner, ausführende Fachunternehmer, tauschten im Rahmen des Kongresses Ihre Erfahrungen aus und diskutierten praxisorientierte Lösungsansätze. Veranstalter waren die Fachunternehmen der Bundesfachabteilung Akustik- und Trockenbau im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie in Zusammenarbeit mit Raab Karcher und der Architektenkammer Berlin.
Körber: Energieeffizientes Bauen und Sanieren für Klimaschutz unerlässlich
01. Feb. 2010 –Anlässlich des Berichts der Bundesregierung und dem Expertengespräch mit dem Klimaforscher Prof. Dr. Stefan Rahmstorf zur Nachbereitung der Kopenhagener Klimakonferenz in der heutigen Sitzung des Ausschusses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung erklärt der baupolitische Sprecher der FDPBundestagsfraktion Sebastian Körber: Die Sitzung am 27. Januar hat die Position der Koalition bestätigt: effektiver Klimaschutz ist ohne energieeffizientes Bauen nicht möglich! Das CO2-Gebäudesanierungsprogramm zeigt die gewünschten klima- und energiepolitischen Wirkungen: Der CO2-Aussstoß vermindert sich durch die seit 2006 geförderten Investitionen an Wohngebäuden in Deutschland jährlich um rd. 3,7 Mio. t CO2. Die Entlastung der Bewohner bei den Heizkosten summiert sich in den sanierten Wohnungen seit 2006 inzwischen auf etwa 1,35 Mrd. Euro. Zugleich stärkt das Programm, das insbesondere kleinteilige und arbeitsintensive Maßnahmen unterstützt, die Investitionstätigkeit. Jährlich haben die geförderten Maßnahmen lokal und regional bis zu 270.000 Arbeitsplätze im Mittelstand und Handwerk geschaffen oder gesichert.
Neben den geförderten Maßnahmen hat das Programm auch Auswirkungen auf das Sanierungsgeschehen insgesamt, indem z.B. die hohen Förderstandards als gutes Beispiel auch für nicht geförderte Maßnahmen wirken. Betrug die Sanierungsquote in den Jahren 2004 bis 2006 2,2 % des Altbaubestandes, so ist diese bis 2007/2008 auf rund 3 % angestiegen. Als junger Abgeordneter fühle ich mich dem Klimaschutz und der Generationengerechtigkeit besonders verpflichtet. Daher werbe ich intensiv dafür, dieses erfolgreiche Programm trotz knapper Kassen auf hohem Niveau zu verstetigen und die Fördereffizienz in dieser Legislaturperiode weiter zu verbessern.
Workshop „Nachhaltiges Bauen“
19. Jan. 2010 –Die Umsetzung der Nachhaltigkeitskriterien des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) bei der Bauausführung des Paul-Wunderlich-Hauses in Eberswalde war Gegenstand eines Workshop, der gemeinsam vom Hauptverband, dem Beton- und Bautechnikverein sowie dem BMVBS am 6. November in Berlin veranstaltet wurde. Das Paul-Wunderlich-Haus, Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum Eberswalde, war zuvor mit dem „Gold-Gütesiegel“ der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ausgezeichnet worden. 
In ihren Grußworten betonten der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes, RA Michael Knipper, und der Unterabteilungsleiter im BMVBS, Ministerialdirigent Dr. Rüdiger Kratzenberg, das besondere Engagement der deutschen Bauindustrie bei der Entwicklung des neuen Systems. Es sei nun von Bedeutung, das Verständnis für Nachhaltiges Bauen zügig in die Baupraxis zu bringen, um die mit dem Konzept verbundenen Vorteile schnell nutzen zu können. BMVBS und DGNB hatten zuvor bekannt gegeben, dass die bisherigen Partner zukünftig eigene Wege gehen. Ministerialrat Dipl.-Ing. Hans-Dieter Hegner führte aus, dass statt des lange verfolgten „Beleihungsmodells“, bei dem das BMVBS als Siegelgeber die Hoheit über die Kriterien hält und die DGNB die praktische Umsetzung des Bewertungs- und Zertifizierungssystems organisiert, es nun zu einem sogenannten „Anerkennungsmodell“ kommen werde. Damit sei zunächst einmal verbunden, dass ab sofort beliebige Organisationen eigene Nachhaltigkeitszertifikate entwickeln und verleihen könnten. Parallel werde das BMVBS seinen Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“ überarbeiten und dort Mindeststandards für Nachhaltigkeitssysteme vorgeben.
Bei Bedarf hätten die jeweiligen Organisationen die Möglichkeit, einen Antrag an das BMVBS zu stellen und ihr System anerkennen zu lassen. Voraussetzung hierfür sei, dass die Mindestanforderungen erfüllt sind. In diesem Fall dürfe zusätzlich zum jeweiligen Siegel der Organisation auch das Siegel des BMVBS „Anerkannt durch das Bauministerium“ verliehen werden. Bereits heute lägen dem BMVBS zahlreiche Anträge verschiedener Organisationen vor. Der Wunsch, zu einem bundeseinheitlichen Bewertungs- und Zertifizierungssystem zu kommen, habe sich damit nicht erfüllt. Die Fachvorträge befassten sich nach einer Vorstellung des Gebäudes durch den Architekten Thomas Winkelbauer mit den Hauptkriteriengruppen des Systems für Büro- und Verwaltungsneubauten und erlaubten konkrete Einblicke in die Herangehensweise, die praktische Umsetzung und die detaillierte Bewertung des Gebäudes. Während Prof. Thomas Lützkendorf die Erfüllung der ökologischen und ökonomischen Anforderungen erläuterte, widmeten sich Dr. Günter Löhnert und Andreas Dalkowski den soziokulturellen, technischen und prozessorientierten Kriterien. Zur Abrundung gab Nicolas Kerz einen Überblick über den Nachhaltigkeits-Kriteriensatz 2008 und die Veränderung beim Kriteriensatz 2009. Zum Abschluss der Veranstaltung kündigte das BMVBS an, die Kriteriensteckbriefe Anfang Dezember 2009 freizuschalten und der Öffentlichkeit zugänglich machen zu wollen. Die Organisatoren planen für 2010 eine Folgeveranstaltung.
Mehr dazu:
www.Bauenschuetztklima.de
www.nachhaltigesbauen.de