Bauindustriepräsident Bodner: Zukunft gehört den erneuerbaren Ernergien
13. Sept. 2010 –Bodner bezeichnete das Tempo der Umstellung als anspruchsvoll. Allein die geplanten 40 Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee stünden für ein Investitionsvolumen von 75 Milliarden Euro, davon 20 bis 30 Milliarden Euro Bauinvestitionen für die Gründung. Gleichzeitig müssten zusätzliche Stromspeicherkapazitäten geschaffen werden. Dies gehe nur über den Bau neuer Pumpspeicherkraftwerke und die Entwicklung sogenannter Smart Grids - intelligente Netze -, die den Strom nicht nur weiterleiten, sondern auch sammeln und steuern. Gleichzeitig müsse der Ausbau der Übertragungsnetze in Angriff genommen werden. Der rechtzeitige Aufbau eines deutschlandweiten Netzes von Stromautobahnen" sei eine zentrale Voraussetzung für die Umstellung der Stromversorgung auf erneuerbare Energien. Für die Bauindustrie sieht Bodner die Aufgabe vor allem in der Entwicklung und Erstellung von Fundamenten für die Hochsee-Windräder. Das umfasse ein Bauvolumen, das 30 bis 40 Prozent des gesamten Investitionsvolumens für Offshore-Windparks ausmachen könne.
Für die mittelständische Bauindustrie ergeben sich neue Marktchancen im Zusammenhang mit dem Netzausbau. Das gilt vor allem dann, wenn sich die Versorgungsunternehmen - trotz der vergleichsweise hohen Kosten - mit Rücksicht auf die Bürger für eine erdverlegte Anbindung der Offshore-Projekte entscheiden sollten. Die deutsche Leitungsbauindustrie stellt sich diesen Herausforderungen bereits heute in vier Pilotprojekten zur unterirdischen Verlegung von „380 kV- Kabeln". 2011 soll eine erste Bilanz gezogen werden.
Energielücke schließen
Bodner verwies zudem darauf, dass trotz der Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken allein aufgrund der altersbedingten Abgänge aus dem heutigen Bestand der konventionellen Kraftwerke eine Energielücke von rund 22.000 Megawatt geschlossen werden müsse. Dahinter stünde - konservativ geschätzt - ein Rohbauvolumen von drei bis vier Milliarden Euro. Zusätzlich erwartet Bodner für die Bauindustrie Impulse, wenn ältere Kraftwerke mit niedrigen Wirkungsgraden mit dem Ziel der CO2-Einsparung bereits vor dem Ende ihrer technischen Nutzungsdauer aus dem Markt genommen werden müssten. Das Bundesumweltministerium habe hier Mindestwirkungs- grade von 34 Prozent für Steinkohlekraftwerke und 32 Prozent für Braunkohlekraftwerke ins Gespräch gebracht. Darüber hinaus sei mit einem hohen Nachrüstungsbedarf für die bestehenden Kernkraftwerke aufgrund der Verlängerung der Laufzeiten zu rechnen.
Mehr Mittel
Jochen Homann, Staats-sekretär im Bundes-wirtschaftsministerium, bestätigte, dass das Energiekonzept der Bundesregierung erhebliche Modernisierungsinvestitionen in den nächsten Jahren erfordert. Dafür sollen ab 2011 zusätzliche Mittel bereitgestellt werden, die mittelfristig auf bis zu 2,5 Milliarden Euro aufwachsen und für erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Forschung in diesen Bereichen, nationalen Klimaschutz sowie weitere Handlungsfelder des Energiekonzepts eingesetzt werden sollen. Grundlage der Finanzierung seien insbesondere ie Mehreinnahmen aus der Abschöpfung von Zusatzgewinnen aus der Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken sowie ab 2013 Mehreinnahmen aus der Versteigerung der Emissionszertifikate. Die zuletzt genannten Mittel würden zur Finanzierung von Maßnahmen zu erneuerbaren Energien, Energieeffizienz, Forschung in diesen Bereichen, nationalem Klimaschutz sowie internationalem Klima- und Umweltschutz eingesetzt. Für den Ausbau der Windenergie, insbesondere der Offshore-Windparks, hält Homann ein Kreditprogramm der KfW für möglich. Insgesamt verteidigte er die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken als „gut für die regenerativen Energien".
Weniger Kosten
Der Präsident des BBS, Andreas Kern, warnte davor, die energieintensiven Grundstoffindustrien, darunter vor allem die Baustoffbranche, mit weiteren Kosten zu belasten. Die Baustoff-industrie benötige einen ausgewogenen Energiemix. Der Energieverbrauch und die CO2-Emissionen müssten dort gesenkt werden, wo dies am kosteneffizientesten möglich ist. Kern: „Wer anspruchsvollen Klimaschutz mit der Industrie - und nicht gegen sie - realisieren will, muss auf machbare und kosteneffiziente Lösungen setzen. Wir können die notwendigen Investitionen nur stemmen, wenn die Kosten nicht aus dem Ruder laufen."
Dr. Johannes F. Lambertz, Vorstandsvorsitzender der RWE Power AG, stellte die Vor- und Nachteile des Energiekonzepts der Bundesregierung für die Versorger dar. Er lobte, dass nunmehr Klarheit über das Ziel der Bundesregierung bestehe, bis 2050 rund 80 Prozent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu speisen. Dies bedeute jedoch auch einen deutlichen Rückgang der fossilen Stromerzeugung, insbesondere der Braunkohle, begünstigt durch die Vorrangregelung für erneuerbare Energien und Kraft-Wärme-Koppelung. Die Bedeutung der heimischen Braunkohle als Energieträger werde nicht gewürdigt. Gleichzeitig würden aber hohe Stromimporte akzeptiert, trotz der Risiken für die Versorgungssicherheit. Lambertz kritisierte weiter, dass die Speicherkapazitäten und auch die Leitungsinfrastruktur bislang nicht ausreichend seien; hohe Investitionen seien hier erforderlich.
Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur (Dena), Stephan Kohler, gab in der anschließenden Podiumsdiskussion Lambertz teilweise recht, wies aber den Vorwurf, die Bundesregierung rechne sich die erneuerbaren Energien schön, zurück. Gefragt seien intelligente Strategien, die das System als Ganzes im Blick hätten: von der Ausschöpfung der vorhandenen Effizienzpotenziale beim Energieverbrauch über den Ausbau erneuerbarer Energien und deren Netz- integration bis hin zur effizienten Vernetzung aller am Energiesystem beteiligten Akteure.
Abschließend wies Dr. Jochen Keysberg, Bilfinger Berger Ingenieurbau, nochmals auf den Bauanteil von 40 Prozent bei den Offshore-Windenergieanlagen hin. Er bedauerte, dass Deutschland auf diesem Feld noch nicht so weit gekommen sei wie die skandinavischen Länder.
IW-Studie "Kraftwerksbau als Chance für die Bau-/Baustoffwirtschaft"
Neue UBA-Studie zeigt: Vollversorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien ist realistisch
08. Juli 2010 –Das Umweltbundesamt untersucht die Umstellung auf 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien in drei Grundszenarien. Die jetzt vorgelegte Studie basiert auf dem Szenario „Regionenverbund". In diesem Szenario nutzen alle Regionen Deutschlands ihre Potentiale für erneuerbare Energien weitgehend aus. Es findet ein deutschlandweiter Stromaustausch statt. Nur zu einem geringen Anteil wird Strom aus Nachbarstaaten importiert. Die dafür nötigen Berechnungen hat das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) im Auftrag des UBA erstellt. Die Wissenschaftler des IWES haben dieses Szenario für vier Wetterjahre stundengenau modelliert. UBA-Präsident Jochen Flasbarth: „Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Stromversorgung bis 2050 vollständig auf erneuerbaren Energien basieren und die Versorgungssicherheit jederzeit gewährleistet werden kann." Die unterschiedlichen Erzeugungsarten der erneuerbaren Energien, die Speicher und das Lastmanagement sind im Szenario Regionenverbund genau aufeinander abgestimmt. Dadurch können Fluktuationen, die bei erneuerbaren Energien auftreten, jederzeit sicher ausgeglichen werden. Um die Stromversorgung umgestalten zu können, ist es laut UBA notwendig, die erneuerbaren Energien, die Netze und die Speichersysteme deutlich auszubauen. Die Möglichkeiten, Strom einzusparen, müssen außerdem ausgeschöpft werden.
Die Gebäudedämmung muss entscheidend verbessert werden, damit künftig nicht zuviel Strom für die Wärmeversorgung von Gebäuden gebraucht wird. Auch müssen die Lastmanagementpotentiale erschlossen werden, um die Stromnachfrage besser an die fluktuierende Stromerzeugung vor allem aus Wind- und Solarenergie anzupassen.
Die Stromerzeugung ist heute für mehr als 40 Prozent der gesamten deutschen CO2-Emissionen verantwortlich. „Wenn wir die Treibhausgasemissionen um 80 bis 95 Prozent verringern wollen, müssen wir die Stromversorgung auf Erneuerbare Energien umstellen. Nur so ist es möglich, die Treibhausgasemissionen in der Stromerzeugung auf Null zu senken", erklärte Jochen Flasbarth.
In einer Folgestudie untersucht das Umweltbundesamt zwei mögliche Alternativen zum Szenario Regionenverbund, das Szenario „Großtechnologie" und das Szenario „Autarkie".
Die UBA-Studie „Energieziel 2050: 100% Strom aus erneuerbaren Quellen" kann unter www.uba.de/uba-info-medien/3997.html kostenlos heruntergeladen werden.
Erneuerbare Energien - Bauindustrie wird zur Klimaschutzindustrie
19. Jan. 2010 –**Bauindustrie wird zur Klimaschutzindustrie – Großes Potenzial bei Offshore-Windkraft und Geothermie** Klimaschutz ist eine Bauaufgabe. Denn ohne die Kompetenzen von Bau- und Baustoffindustrie sind weder nationale noch internationale Klimaziele zu erreichen und ökonomisch wie ökologisch nachteilige Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen. Dies ist die Quintessenz einer Veranstaltung von Hauptverband und Bundesverband Baustoffe Steine Erden (bbs) am 6. November in Berlin zu Bauwirtschaft und erneuerbaren Energien.
**Bildergalerie der Veranstaltung und der Sprecher**
Bauindustriepräsident Dipl.-Ing. Herbert Bodner erläuterte in seinem Grundsatzvortrag die zentrale Rolle der Bauindustrie im Bereich der erneuerbaren Energien und prägte hierfür den Begriff der Klimaschutzindustrie. Er verwies dabei auf hohen technischen Kompetenzen, die beispielsweise zur Errichtung der Offshore-Windparke in Nord- und Ostsee nötig seien und über die die Bauindustrie verfüge. Aber auch im Bereich der Geothermie, wo es um tiefe und anspruchsvolle Gründungen gehe, sei die Bauindustrie gefragt. Mit ihrem Interesse am Schwerpunkt Geothermie betrete die deutsche Bauwirtschaft zudem kein Neuland. Gerade im Bereich der oberflächennahen Geothermie sei die Branche weiter als in der Öffentlichkeit bekannt. Im Wohnungsbau habe der Anteil der neu errichteten Gebäude, die vorwiegend geothermisch beheizt werden, von weniger als 1 Prozent im Jahre 2000 auf 18,5 Prozent im Jahre 2008 zugenommen. Im Vergleich dazu gebe es im Bereich von Verwaltungsgebäuden, Fabrik- und Werkstattgebäuden noch großen Nachholbedarf. Hier liege der Anteil geothermisch beheizter Objekte derzeit bei knapp 5 Prozent. Vorreiter der Geothermienutzung seien gewerbliche Hochhausbauten. Bodner: „Inzwischen gibt es in Deutschland kaum noch Hochhausprojekte, die auf Energiepfähle aus Beton verzichten.“ **Zukunftsmarkt erneuerbare Energien** Bodner bescheinigte daher der Geothermie ein großes Zukunftspotenzial. Er bezog sich dabei auf das Gutachten „Geothermie - Chancen für die Bauwirtschaft im Lichte des Klimawandels und der absehbaren Energieknappheit“, das die Deutsche Bank Research für die Spitzenverbände der Deutschen Bauindustrie und der deutschen Baustoffhersteller erarbeitet hat. Die Forscher sehen darin allein im Bereich der Geothermie bis 2030 für Wohnungsbau und Gewerbebau ein Bauvolumen von 25 Milliarden Euro.
Auch der Ausbau der Offshore-Windkraftanlagen in Nord- und Ostsee berge wichtige Marktpotenziale. Hinter den Plänen der Bundesregierung, hiermit eine Energieleistung von bis zu 25.000 Megawatt bis zum Jahr 2030 vor den deutschen Küsten zu gewinnen, stünde ein Investitionsvolumen von über 80 Milliarden Euro, davon 20 bis 25 Milliarden Euro Bauinvestitionen allein für die Fundamente und ihre Verankerung, so Bodner. „Oberstes Ziel muss aber eine nachhaltige, sichere und bezahlbare Energieversorgung für Bürger und Wirtschaft sein“, so Andreas Kern, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Zementindustrie (BDZ) und Vizepräsident des Bundesverbandes Baustoffe - Steine und Erden (BBS). Hierzu werde ein breiter Energiemix benötigt, der nicht allein politisch gesteuert, sondern letztlich Resultat von Wettbewerb und Wirtschaftlichkeit“ sein müsse. Die neue schwarz-gelbe Regierung müsse sich insgesamt an ihrem Anspruch messen lassen, „eine ideologiefreie, technologieoffene und marktorientierte Energiepolitik“ betreiben zu wollen, kündigte Kern an. Nach dem Willen der Bundesregierung sollen in einem dynamischen Energiemix die erneuerbaren Energien allmählich den Hauptanteil an der Versorgung übernehmen. Kern: „Dazu müssen diese so schnell wie möglich markt- und speicherfähig gemacht werden“. Die Speicherfähigkeit von Beton werde auf einem hohen innovativen Niveau vor allem bei der so genannten Betonkernaktivierung genutzt. Dabei kann die Energieeffizienz optimiert werden, indem Erdwärme genutzt sowie Erd- und Wasserspeicher thermisch mit in das System einbezogen werden.
Nach den ehrgeizigen Zielvorgaben der Bundesregierung soll der Anteil der regenerativen Energien an der Stromversorgung bis zum Jahr 2020 auf 30 Prozent erhöht werden. Zudem hat die Koalition von Union und FDP bekräftigt, die Emissionen bis 2020 um möglichst 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Die Baustoffindustrie, etwa die Zementherstellung, ist hier in doppelter Weise involviert. Als energieintensive Branche muss sie die Energiekosten als wichtigen Kostenfaktor in der Produktion so gering wie möglich halten. Zum anderen stellen Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien ein interessantes Absatzpotenzial für Baustoffhersteller dar. Bislang hat beispielsweise die Windkraft in Deutschland einen Anteil von 7 Prozent an der Stromerzeugung, der nach den Plänen der Regierung bis zum Jahr 2030 mehr als verdoppelt werden soll. Das Engagement für den Ausbau der erneuerbaren Energien diene nicht nur dem globalen Klimaschutz, es bewirke auch mehr Versorgungssicherheit und weniger Abhängigkeit von ausländischen Energieimporten. Vor allem schaffe es Arbeitsplätze, und zwar nicht nur im Anlagenbau, sondern auch in der Bau- und Baustoffindustrie, hoben die Spitzenvertreter der beiden Verbände hervor.





























